RSS Report:
Bestandsaufnahme einer Technologie, die alle totgesagt haben

RSS steckt heute in mehr Anwendungen als je zuvor. In Podcasts, YouTube, Automatisierung und professionellen Workflows.

RSS hat ein Imageproblem. Die Technologie wird seit über zehn Jahren für tot erklärt, und wer den Begriff in einer Besprechung erwähnt, erntet meistens fragende Blicke oder mitleidiges Lächeln. Google hat seinen RSS-Reader 2013 eingestellt, die großen Tech-Blogs haben das Thema danach kaum noch aufgegriffen, und Social-Media-Plattformen haben RSS-Feeds aus ihren Oberflächen entfernt. Die Geschichte schien erzählt.

Nur stimmt sie so nicht. RSS steckt heute in mehr Anwendungen als zur Hochzeit der Blogosphäre Mitte der Nullerjahre. Es arbeitet in Podcasts, in YouTube-Kanälen, in Automatisierungstools und in den täglichen Abläufen von Analysten, Journalisten und IT-Teams. Diese Bestandsaufnahme zeigt, was RSS eigentlich ist, wo es heute überall zum Einsatz kommt und warum es sich lohnt, die Technologie neu zu betrachten.

Was RSS eigentlich ist – in einfachen Worten

RSS steht für „Really Simple Syndication", auf Deutsch etwa: „wirklich einfache Verbreitung von Inhalten". Um zu verstehen, was RSS tut, hilft ein Vergleich mit etwas Vertrautem.

Stellen Sie sich vor, Sie lesen regelmäßig fünf verschiedene Online-Magazine. Ohne RSS müssten Sie jeden Tag jede dieser fünf Websites einzeln aufrufen und nachschauen, ob es etwas Neues gibt. An manchen Tagen hat eine Seite drei neue Artikel veröffentlicht, an anderen keinen einzigen. Sie wissen das aber erst, nachdem Sie die Seite besucht haben. Bei fünf Quellen ist das noch machbar, bei zwanzig oder fünfzig wird es zur Zeitverschwendung.

RSS löst dieses Problem. Jede Website, die RSS unterstützt, stellt im Hintergrund eine Art Inhaltsverzeichnis bereit, das automatisch aktualisiert wird, sobald ein neuer Beitrag erscheint. Dieses Inhaltsverzeichnis heißt „RSS-Feed". Sie als Leser brauchen ein Programm, das diese Feeds ausliest und Ihnen die neuen Beiträge aller abonnierten Quellen gesammelt anzeigt. So ein Programm heißt „RSS-Reader" oder „Feed-Reader".

Das Ergebnis: Sie öffnen Ihren Reader einmal am Tag und sehen auf einen Blick, was es bei allen Ihren Quellen Neues gibt. Ohne jede einzelne Website besuchen zu müssen, ohne sich irgendwo anzumelden, und ohne dass ein Algorithmus für Sie entscheidet, welche Beiträge Sie zu sehen bekommen. Sie bestimmen die Quellen, und Sie bekommen alles in der Reihenfolge, in der es veröffentlicht wurde.

Syndication – ein altes Prinzip, neu fürs Web

Das Wort „Syndication" in RSS beschreibt ein Konzept, das es lange vor dem Internet gab. Nachrichtenagenturen wie Reuters oder die dpa arbeiten seit Jahrzehnten nach dem Syndication-Prinzip: Sie erstellen Meldungen, die von Zeitungen, Radiosendern und Fernsehstationen übernommen werden. Der Inhalt wird einmal produziert und dann über viele verschiedene Kanäle verbreitet.

RSS hat dieses Prinzip ins Web übertragen und als offenen Standard bereitgestellt. „Offener Standard" bedeutet: Jeder kann RSS nutzen, ohne eine Lizenz zu kaufen, ohne sich bei einem Anbieter anzumelden, ohne von einem einzelnen Unternehmen abhängig zu sein. Die Spielregeln sind öffentlich dokumentiert, und jeder Entwickler kann Software bauen, die RSS-Feeds liest oder erzeugt.

Wie Blogs RSS groß gemacht haben

Die erste große Anwendergruppe von RSS waren Blogs. In den frühen Nullerjahren, als Blogs zu einer ernsthaften Publikationsform heranwuchsen, wurde RSS zum wichtigsten Werkzeug, um als Leser den Überblick über die wachsende Bloglandschaft zu behalten. Plattformen wie Blogger und WordPress haben RSS-Feeds von Anfang an automatisch erzeugt, sodass jeder Blog sofort abonnierbar war.

Für die Blogger selbst war RSS ein Geschenk: Wer einen neuen Beitrag veröffentlichte, erreichte seine Leserschaft automatisch, ohne auf eine Suchmaschine angewiesen zu sein und ohne Werbung schalten zu müssen. Die Leser hatten den Blog abonniert, und der RSS-Feed sorgte dafür, dass jeder neue Beitrag bei ihnen ankam.

In dieser Phase, etwa zwischen 2004 und 2012, war RSS allgegenwärtig. Millionen von Menschen nutzten RSS-Reader wie den Google Reader, um Hunderte von Blogs zu verfolgen. Als Google seinen Reader 2013 einstellte, empfanden viele das als das Ende von RSS. In Wirklichkeit war es das Ende eines einzelnen Programms, nicht der Technologie dahinter. Aber der Eindruck hat sich festgesetzt, und RSS verschwand aus dem öffentlichen Bewusstsein.

Podcasts: ein ganzer Medienmarkt auf RSS-Basis

Während RSS aus den Schlagzeilen verschwand, baute sich im Hintergrund eine ganze Branche auf der Technologie auf: die Podcast-Industrie.

Jeder Podcast, egal ob Hobby-Produktion oder professionelles Medienformat, wird über einen RSS-Feed veröffentlicht. Der Ablauf funktioniert so: Der Podcaster nimmt eine Episode auf, lädt die Audiodatei bei seinem Podcast-Hoster hoch und ergänzt Titel, Beschreibung und Erscheinungsdatum. Der Hoster aktualisiert daraufhin den RSS-Feed des Podcasts. Apps wie Apple Podcasts, Spotify, Pocket Casts oder jeder andere Podcast-Player lesen diesen Feed regelmäßig aus und zeigen Ihnen die neue Episode an, sobald sie verfügbar ist.

Wenn Sie also auf Ihrem Smartphone einen Podcast abonnieren und morgens eine Benachrichtigung bekommen, dass eine neue Folge da ist, dann hat im Hintergrund RSS die Arbeit erledigt. Die App hat den RSS-Feed abgefragt, den neuen Eintrag erkannt und Ihnen Bescheid gegeben.

Dieses Modell hat eine wichtige Eigenschaft: Der RSS-Feed gehört dem Podcaster, nicht der Plattform. Ein Podcaster veröffentlicht seinen Feed einmal und wird darüber in sämtlichen Podcast-Apps gleichzeitig gefunden. Das unterscheidet Podcasting grundlegend von Videoplattformen wie YouTube, wo der Ersteller seine Inhalte auf einer einzigen Plattform hochladen muss und von deren Regeln und Algorithmen abhängig ist. Bei Podcasts gibt es diesen zentralen Gatekeeper nicht, und RSS ist der Grund dafür.

YouTube: der versteckte RSS-Feed

Apropos YouTube: Was die wenigsten wissen – auch YouTube bietet für jeden Kanal einen RSS-Feed an. Dieser Feed ist allerdings gut versteckt. YouTube bewirbt ihn nirgends, und in der Benutzeroberfläche gibt es keinen sichtbaren Hinweis darauf.

Trotzdem funktioniert er. Wenn Sie die Kanal-ID eines YouTube-Kanals kennen (eine Kombination aus Buchstaben und Zahlen, die Sie in der Adresszeile Ihres Browsers finden, wenn Sie einen Kanal aufrufen), können Sie daraus die Feed-Adresse zusammensetzen. Diese Adresse fügen Sie in Ihren RSS-Reader ein, und ab diesem Moment sehen Sie jedes neue Video dieses Kanals in Ihrem Reader, ohne YouTube besuchen zu müssen, ohne eingeloggt zu sein und ohne dass der YouTube-Algorithmus bestimmt, was Ihnen angezeigt wird.

Das ist für Sie als Nutzer aus mehreren Gründen interessant: Sie verpassen keine Videos, weil der Algorithmus sie unterdrückt hat. Sie werden nicht von Empfehlungen und Autoplay in Richtungen gezogen, die Sie gar nicht einschlagen wollten. Und Sie behalten den Überblick über viele Kanäle gleichzeitig, zusammen mit allen anderen Quellen in Ihrem RSS-Reader.

Automatisierung: RSS als Auslöser für Arbeitsabläufe

Es gibt eine Kategorie von Software, die darauf spezialisiert ist, Arbeitsschritte zu automatisieren. Programme wie Zapier, Make oder n8n verbinden verschiedene Online-Dienste miteinander und führen Abläufe automatisch aus, die man sonst von Hand erledigen müsste. In Marketingabteilungen, IT-Teams und bei Selbstständigen gehören solche Werkzeuge inzwischen zum Alltag.

Diese Automatisierungstools brauchen einen Auslöser, also ein Ereignis, das den automatischen Ablauf startet. In der Fachsprache heißt dieser Auslöser „Trigger". Ein solcher Trigger kann zum Beispiel sein: „Wenn eine neue E-Mail eingeht", „Wenn ein Formular ausgefüllt wird" oder „Wenn ein neuer Beitrag in einem RSS-Feed erscheint". RSS gehört bei allen großen Automatisierungstools zu den grundlegenden Triggern, weil sich damit die Veröffentlichung neuer Inhalte auf jeder beliebigen Website überwachen lässt.

Wie das in der Praxis aussieht, zeigt ein Beispiel Schritt für Schritt:

  1. Ein Unternehmen veröffentlicht einen neuen Artikel auf seinem Firmenblog.
  2. Das Redaktionssystem (z. B. WordPress) aktualisiert automatisch den RSS-Feed des Blogs. Der neue Artikel erscheint als neuester Eintrag im Feed.
  3. Das Automatisierungstool (z. B. Zapier) prüft den RSS-Feed alle paar Minuten. Sobald es den neuen Eintrag erkennt, startet der vordefinierte Ablauf.
  4. Erster automatischer Schritt: Zapier erstellt einen Beitrag auf der LinkedIn-Unternehmensseite mit dem Titel und dem Link zum neuen Artikel.
  5. Zweiter automatischer Schritt: Zapier sendet eine Nachricht in den internen Team-Chat (z. B. Slack oder Microsoft Teams) mit dem Hinweis, dass ein neuer Blogartikel online ist.
  6. Dritter automatischer Schritt: Zapier legt einen neuen Eintrag im CRM-System an, damit das Marketing-Team den Artikel in der nächsten Newsletter-Ausgabe berücksichtigen kann.

Das alles passiert ohne manuellen Eingriff. Niemand muss daran denken, den Artikel auf LinkedIn zu teilen oder das Team zu informieren. Der RSS-Feed liefert den Auslöser, und die Automatisierung erledigt den Rest.

Google Alerts: Überwachung per RSS

Google Alerts ist ein kostenloser Dienst von Google, mit dem Sie das Internet nach bestimmten Begriffen überwachen können. Sie geben zum Beispiel den Namen Ihres Unternehmens ein, und Google schickt Ihnen eine Benachrichtigung, sobald der Name irgendwo im Netz erwähnt wird. Journalisten nutzen das, um Themen zu verfolgen, PR-Fachleute, um die Berichterstattung über ihre Kunden im Blick zu behalten, und Unternehmen, um Erwähnungen ihrer Marke oder ihrer Wettbewerber zu beobachten.

Was dabei häufig übersehen wird: Google Alerts kann seine Ergebnisse auch als RSS-Feed liefern. Statt einzelne E-Mails zu bekommen, können Sie den Feed in Ihren RSS-Reader einbinden. Dort erscheinen die Alerts dann neben Ihren anderen abonnierten Quellen. Für Leute, die mehrere Alerts laufen haben, ist das deutlich übersichtlicher als ein E-Mail-Postfach voller einzelner Benachrichtigungen.

Warum Plattformabhängigkeit ein reales Risiko ist

Ein roter Faden zieht sich durch all diese Beispiele: RSS funktioniert unabhängig von Plattformen. Warum das wichtig ist, zeigt ein Blick auf die jüngere Geschichte des Internets.

Facebook hat die organische Reichweite von Unternehmensseiten ab 2014 systematisch gedrosselt. „Organische Reichweite" bedeutet: die Anzahl der Menschen, die einen Beitrag sehen, ohne dass dafür bezahlt wurde. Unternehmen, die über Jahre eine Community auf Facebook aufgebaut hatten und dort regelmäßig Inhalte teilten, erreichten plötzlich nur noch einen Bruchteil ihrer Follower. Wer seine Beiträge weiterhin an alle Follower ausspielen wollte, musste ab sofort dafür bezahlen. Unternehmen, die ihre gesamte Kommunikation auf Facebook aufgebaut hatten, standen vor einem ernsthaften Problem.

Dieses Muster wiederholt sich bei jeder Plattform, die groß genug wird. Twitter hat nach der Übernahme 2022 seine Schnittstellen für externe Programme drastisch eingeschränkt und die Plattform so umgebaut, dass etablierte Arbeitsabläufe über Nacht nicht mehr funktionierten. TikTok steht in mehreren Ländern vor möglichen Verboten. Instagram ändert seinen Algorithmus so häufig, dass Unternehmen ihre Strategie ständig anpassen müssen, nur um die gleiche Reichweite zu halten.

Ein RSS-Feed gehört dem Betreiber der Website. Es gibt keinen Algorithmus, der entscheidet, ob ein Beitrag ausgespielt wird. Kein Plattformbetreiber kann die Reichweite drosseln, den Account sperren oder die Spielregeln ändern.

Bei RSS gibt es dieses Risiko nicht. Ein RSS-Feed gehört dem Betreiber der Website. Es gibt keinen Algorithmus, der entscheidet, ob ein Beitrag ausgespielt wird. Kein Plattformbetreiber kann die Reichweite drosseln, den Account sperren oder die Spielregeln ändern. Wenn Sie regelmäßig Inhalte veröffentlichen und einen gepflegten RSS-Feed anbieten, haben Ihre Leser einen direkten Draht zu Ihren Inhalten, und dieser Draht ist von keiner Plattform-Entscheidung abhängig.

Offene Standards und das Fediverse

Das Prinzip, das hinter RSS steht, heißt „offener Standard": eine Technologie, die öffentlich dokumentiert ist und die jeder nutzen kann, ohne einen Anbieter um Erlaubnis zu fragen. Das Gegenteil davon sind geschlossene Plattformen wie Facebook, Instagram oder X (ehemals Twitter), bei denen ein einzelnes Unternehmen die Regeln bestimmt.

In den letzten Jahren sind neue Netzwerke entstanden, die bewusst auf offene Standards setzen. Das bekannteste Beispiel ist Mastodon, eine Art Twitter-Alternative, bei der es keinen zentralen Betreiber gibt. Stattdessen kann jeder seinen eigenen Mastodon-Server betreiben, und diese Server kommunizieren untereinander über ein gemeinsames, offenes Protokoll namens ActivityPub. Nutzer auf verschiedenen Servern können sich gegenseitig folgen und miteinander interagieren, obwohl sie bei unterschiedlichen Betreibern angemeldet sind. Dieses Netzwerk aus verbundenen, aber unabhängigen Servern nennt man „Fediverse" (eine Wortschöpfung aus „Federation" und „Universe").

RSS und das Fediverse lösen ein ähnliches Problem auf unterschiedliche Weise: Beide ermöglichen es, Inhalte zu verbreiten und zu empfangen, ohne von einer einzelnen Plattform abhängig zu sein. RSS macht das, indem Websites einen Feed bereitstellen, den jeder Reader auslesen kann. ActivityPub macht das, indem Server sich untereinander vernetzen und Beiträge austauschen. Der Grundgedanke ist derselbe, und die Tatsache, dass solche Ansätze gerade wieder an Aufmerksamkeit gewinnen, zeigt, dass das Bedürfnis nach Unabhängigkeit von großen Plattformen wächst.

Wie Profis heute mit RSS arbeiten

RSS-Reader haben sich seit der Zeit des Google Reader erheblich weiterentwickelt. Die heutigen Programme richten sich nicht mehr nur an Technikbegeisterte, die ein paar Blogs verfolgen wollen, sondern an Menschen, die beruflich große Mengen an Informationsquellen verarbeiten müssen.

Feedly, einer der bekanntesten RSS-Reader, bietet inzwischen eine KI-gestützte Priorisierung an. Das bedeutet: Sie abonnieren Ihre Quellen, und Feedly sortiert die Artikel nach Relevanz für Ihre Interessen vor, sodass die wichtigsten Beiträge oben stehen. Inoreader hat sich auf Monitoring spezialisiert. Unternehmen können damit nicht nur Feeds abonnieren, sondern auch nach bestimmten Begriffen oder Markennamen suchen lassen, ähnlich wie bei Google Alerts, aber direkt im RSS-Reader integriert. Miniflux ist ein minimalistischer Reader, den technisch versierte Nutzer auf dem eigenen Server installieren können, um die volle Kontrolle über ihre Daten zu behalten.

Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten in der Kommunikationsabteilung eines Unternehmens und müssen 50 relevante Quellen im Blick behalten: Branchennews, Veröffentlichungen von Wettbewerbern, Mitteilungen von Regulierungsbehörden, Fachzeitschriften. Ohne RSS-Reader müssten Sie jede dieser 50 Websites einzeln aufrufen und nachsehen, ob es etwas Neues gibt. Mit einem RSS-Reader öffnen Sie morgens ein einziges Programm und sehen alle neuen Beiträge aus allen 50 Quellen auf einen Blick, sortiert nach Erscheinungsdatum oder Relevanz. Was vorher eine Stunde dauern konnte, erledigen Sie in 20 Minuten.

RSS-Nutzer als Zielgruppe

Für Unternehmen, die selbst Inhalte veröffentlichen, lohnt sich ein Blick auf die Leserschaft, die über RSS erreichbar ist. Menschen, die einen RSS-Reader nutzen, haben sich bewusst dafür entschieden, eine bestimmte Quelle zu abonnieren. Im Gegensatz zu Social-Media-Nutzern, die beim Scrollen durch ihren Feed eher zufällig auf Beiträge stoßen, lesen RSS-Nutzer mit Absicht. Sie haben die Quelle aktiv ausgewählt und widmen den Beiträgen mehr Aufmerksamkeit als jemand, der beiläufig durch einen Algorithmus-gesteuerten Timeline scrollt.

Diese Leserschaft ist zwar zahlenmäßig kleiner als die Reichweite über Social Media, aber sie ist aufmerksamer und treuer. Wenn Sie einen Firmenblog oder ein Online-Magazin betreiben und einen funktionierenden RSS-Feed anbieten, erreichen Sie damit Leser, die wirklich an Ihren Inhalten interessiert sind und die über andere Kanäle möglicherweise gar nicht erreichbar wären.

Warum RSS unsichtbar geworden ist

Dass RSS aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden ist, hat weniger mit der Technologie zu tun als mit den Interessen der großen Plattformen. Facebook, Instagram, LinkedIn und andere Social-Media-Dienste leben davon, dass Nutzer möglichst viel Zeit auf ihren Plattformen verbringen. Ein offenes Format wie RSS, das es Menschen ermöglicht, Inhalte zu abonnieren, ohne die Plattform zu besuchen, widerspricht diesem Geschäftsmodell.

In den frühen Jahren des Social Web haben Plattformen RSS noch unterstützt. Facebook hatte einen RSS-Feed für die eigene Chronik, Twitter bot RSS-Feeds für Nutzerbeiträge an. Nach und nach haben alle großen Plattformen diese Feeds abgeschaltet. Das war keine technische Notwendigkeit, denn die Technologie funktionierte einwandfrei. Es war eine geschäftliche Entscheidung: Wer Inhalte per RSS abonnieren kann, muss die Plattform nicht besuchen und sieht keine Werbung.

RSS selbst hat sich von dieser Entwicklung nicht beeindrucken lassen. Die Technologie arbeitet weiter, in Podcasts, in Automatisierungstools, in YouTube-Kanälen und in den Readern einer Nutzerbasis, die bewusst auf eigene Kontrolle über ihre Informationsquellen setzt.

RSS-Feeds finden und nutzen

Wenn Sie RSS ausprobieren möchten, brauchen Sie zwei Dinge: einen RSS-Reader und die Feed-Adressen der Quellen, die Sie abonnieren wollen.

Als Reader eignen sich für den Einstieg Feedly oder Inoreader, beide sind in der Grundversion kostenlos und laufen im Webbrowser, sodass Sie nichts installieren müssen. Nach der Anmeldung sehen Sie ein leeres Dashboard, in das Sie die Adressen Ihrer gewünschten RSS-Feeds eingeben können.

Die Feed-Adresse einer Website finden Sie meistens, indem Sie „/feed" oder „/rss" an die Webadresse anhängen. Bei einem Blog unter „beispiel.de" wäre der Feed also unter „beispiel.de/feed" erreichbar. Viele Blogs und Nachrichtenseiten verlinken ihren Feed auch im unteren Seitenbereich (Footer) oder zeigen das orange RSS-Symbol an. Wenn Sie in Ihrem Reader eine Website-Adresse eingeben, erkennt das Programm in der Regel automatisch, ob ein Feed vorhanden ist, und bietet Ihnen das Abonnement an.

Einen umfassenden Überblick über deutschsprachige RSS-Feeds bietet das Verzeichnis web-feed.de. Dieses Verzeichnis wird seit 2005 gepflegt und sortiert RSS-Feeds nach Kategorien und Themen. Wenn Sie nach Quellen zu einem bestimmten Themenbereich suchen oder einfach stöbern möchten, werden Sie dort schneller fündig als über eine allgemeine Websuche.

Was bedeutet das für Unternehmen?

Für Unternehmen, die regelmäßig Inhalte veröffentlichen, lässt sich aus dieser Bestandsaufnahme eine praktische Konsequenz ableiten: Es lohnt sich zu prüfen, ob Ihre Website einen funktionierenden RSS-Feed bereitstellt. Content-Management-Systeme wie WordPress erzeugen automatisch einen Feed, aber er ist nicht immer aktiviert, nicht immer vollständig und nicht immer leicht auffindbar. Eine kurze Prüfung kann sich lohnen.

Ein gepflegter RSS-Feed kostet nichts im Unterhalt und eröffnet einen zusätzlichen Kanal, der unabhängig von Plattform-Algorithmen funktioniert. Er erreicht eine aufmerksame Leserschaft und dient gleichzeitig als Schnittstelle für Automatisierungstools, die Ihre Inhalte weiterverarbeiten können. Für Unternehmen, die ohnehin regelmäßig Blogbeiträge, Fachartikel oder Neuigkeiten veröffentlichen, ist ein RSS-Feed eine Ergänzung, die praktisch keinen Mehraufwand erfordert.

Autor dieses Textes ist Ralf Skirr. Er beschäftigt sich seit über 25 Jahren mit den Werkzeugen und Kanälen, über die Unternehmen im Netz sichtbar werden. Content-Syndication, Automatisierung und die strategische Verbreitung von Inhalten gehören zu seinem Arbeitsalltag. RSS ist für ihn kein Nostalgie-Thema, sondern ein unterschätztes Stück Infrastruktur.

Schon im Jahr 2005 hat er das deutsche RSS-Verzeichnis Web-Feed.de gegründet, das heute noch aktiv ist.

Mit der DigiStage GmbH, seiner Online Marketing Agentur, unterstützt Ralf mittelständische B2B-Unternehmen bei allem, was digitale Sichtbarkeit betrifft. Von der Website über SEO bis zur Verbreitung von Inhalten.

Mehr dazu auf internet-online-marketing.de.

Ralf Skirr

Ralf Skirr

Marketing Experte seit 1987. Seit 2001 Geschäftsführer der Online-Marketing-Agentur DigiStage GmbH.